Jahresbericht des Präsidenten



Die Welt im Spannungsfeld von Krieg und Frieden

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, berät der UNO-Weltsicherheitsrat über eine neue Resolution zur Krise im Irak. Nach der Drucklegung dieses Info-Heftes wird der Entscheid über Krieg oder Frieden gefallen sein. Ich habe noch immer die Hoffnung, ein Militärschlag, der verheerende Folgen für hunderttausende unschuldiger Zivilisten und für die Weltwirtschaft nach sich zöge, könne in letzter Minute verhindert werden.



Kultur und Sport im Dienste des Friedens

In wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krisenzeiten geniessen Kultur und Sport immer einen besonderen Stellenwert. Nach dem Bosnien-Krieg waren es die Künstler, Theaterleute und Musiker, welche die verfeindeten Gruppen – wenn auch zaghaft – einander wieder anzunähern vermochten. Adolf Ogi, den ich in meinem Leitartikel zu diesem Infoheft zitiere, versucht als UNO-Delegierter mit beispielhaftem Einsatz, den Sport als versöhnliches Element unter den Nationen zu etablieren.




Was hat die Mundharmonika damit zu tun?

Es wird niemand ernsthaft behaupten, Musik, Theater, Literatur, Kunst und Sport könnten Kriege verhindern oder gar Berge versetzen, nur: stellen wir uns vor, es wäre strikte verboten, Theater aufzuführen, Kinos zu besuchen, Musik zu produzieren, zu spielen und zu hören, an Sportveranstaltungen teilzunehmen oder einem Fasnachtsumzug beizuwohnen. Derartige Zustände herrschten in Afghanistan. Was aus den dortigen Menschen wurde, erfuhren wir über Jahre aus den Medien.



Die Mundharmonika im Rückblick

Die unzähligen Aktivitäten um die Mundharmonika im allgemeinen und innerhalb des Vereins „Mundharmonika Schweiz“ im besonderen legen ein beredtes Zeugnis davon ab, dass unser Instrument nichts von seiner Faszination verloren hat. Ich lasse die Ereignisse des vergangenen Jahres in loser Folge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, nochmals aufscheinen:

Muha-Treffen in Feusisberg
Muha-Stamm in St. Margrethen
Muha-Treff in Sissach
Muha-Kurs auf einer Kreuzfahrt mit Walter Buchinger
"Mini-Festival" in Salem-Beuren nördlich des Bodensees
Muha-Workshop mit Rob Janssen in Reiden
Muha-Konzert in der Kirche Feldberg/Müllheim
Waldhütten-Plausch in Rothrist
Muha-Stubete in Rothrist
Muha-Konzert im Volkshaus Basel
Muha-Ferienwoche mit Eugen Buser in Magliaso
Muha-Jugendlager mit Eugen Buser in Frenkendorf
Internationales Harmonica-Festival in Japan
Muha-Seminare in Trossingen
Muha-Matinee in Sempach
Muha-Festival in D-Klingenthal
Konzert der Harmonica-Band Singapore mit Yasuo Watani in Döttingen.

Über die meisten dieser Anlässe wurde in den Info-Heften ausführlich berichtet.



Wo sind die Frauen?

Am 8. März fand weltweit der Tag der Frauen statt. Es wurde dabei festgestellt, dass sie nach wie vor in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft - auch in den Industrienationen - benachteiligt sind. Der Verein „Mundharmonika Schweiz“ kennt keinen numerus clausus für Frauen, im Gegenteil: wir sähen das weibliche Geschlecht, insbesondere in der aktiven Muha-Szene, liebend gerne besser vertreten. Eigentlich müsste gerade unser Instrument mit seiner hohen Sensitivität die Frauen im Sturm erobern. Es gibt einige Beispiele, die beweisen, dass gerade sie die Mundharmonika-Musik in ihrer höchsten Vollendung „ze-lebrieren“.



Nachwuchsförderung

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der aktive Teil von "Mundharmonika Schweiz", ebenso wie in vielen anderen Vereinen, an zunehmender Überalterung leidet. Nun, Altwerden an sich ist erstrebenswert und keine Krankheit, vorausgesetzt, man bleibt dabei gesund. Auf der anderen Seite sind die Nachwuchskräfte im Interesse des langfristigen Überlebens unabdingbar. Der Vorstand unterstützt deshalb explizit, ideell und finanziell, alle Anstrengungen im Sinne der Nachwuchsförderung.



Ausblick, Perspektiven

Die Zahl der Mitglieder und Gönner hat im Vereinsjahr 2002 weniger zugenommen als in den Jahren zuvor. Immerhin konnte eine rückläufige Entwicklung vermieden werden. Der Verein verfügt mit seinem Info-Heft über ein hervorragendes, professionell gestaltetes Sprachrohr. Die unzähligen Besuche im Internet beweisen, dass auch dieses Medium rege genutzt wird und seinen Stellenwert gefunden hat. Die oben aufgeführten Aktivitäten zeugen von einem pulsierenden Vereinsleben. Die Finanzen des Vereines sind gesund. Es stellt sich daher die Frage nach den Gründen für das relativ schwache Wachstum. Der Vorstand wird seine diesbezüglichen Bemühungen weiterhin mit voller Kraft fortsetzen und geeignete Werbemassnahmen ins Auge fassen. Ein erster Schritt dazu ist der neue Werbekleber, der am bevorstehenden Festival von Kriens erstmals aufliegen wird.



Herzlichen Dank!

Es ist mir ein echtes Anliegen, allen aktiven Musikanten, aber auch allen Mitgliedern und Gönnern, die in irgend einer Weise zum Erfolg des vergangenen Vereinsjahres beigetragen haben, und sei es "nur" die fristgerechte Überweisung des Jahresbeitrages, meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Eine besondere Anerkennung entbiete ich meinen Vorstandskollegen Ruedi Frey, Urs König und Andi Ruf. Sie haben aus Überzeugung, für eine edle Sache tätig zu sein, aber auch schlicht aus "Liebe" zur Mundharmonika, hervorragende Arbeit geleistet. Es würde mich freuen, weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten zu dürfen.


Willi Siegenthaler