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Oh
Schreck: Ein Fieberbläschen. |
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Es
gibt ja allerhand, was uns als Mundharmonika-Spielerinnen und Spieler
nicht passieren darf. Also Vorsicht! Zum Beispiel dürfen wir uns nicht
– etwa wegen Falschspielens – in eine Wirtshaus-Schlägerei verwickeln
lassen und riskieren, von jemandem eine auf den Latz zu bekommen.
Geschwollene Lippen sind dem täglichen Harmonika-Üben abträglich. Oder:
Es ist jetzt gerade Pollenflug-Saison. Da dürfen wir natürlich nicht
unter Heuschnupfen leiden. Du kannst ja nicht z`Mitts im Granada oder in
Figaros Hochzeit oder was Du sonst spielst, einen Niessanfall bekommen.
Also was tun gegen Heuschnupfen? Hierfür – oder eben dagegen – gibt
es in der Apotheke echt brauchbares Zeugs. Da ist einmal das rezeptfreie
Antiallergikum „Cetallerg“, ein Generika an Stelle von „Zyrtec“.
Das sind kleine Tablettchen, die man – auf ärztliche Empfehlung –
vorteilhafterweise abends einnimmt. Ein Tablettchen wirkt 24 Stunden, hat
aber die unerwünschte Wirkung, dass es nach der Einnahme etwas schläfrig
macht. Vorsicht beim Bedienen von Maschinen, und auch beim Bedienen von
Mundharmonikas, steht auf der Packungsbeilage. Am nächsten Tag ist die Müdigkeit
verflogen, dafür ist die antiallergische Wirkung präsent, und Du kannst
nach Herzenslust weiterüben. Ein
weiteres, probates Mittel gegen akuten Heuschnupfen ist eine Nasensalbe
namens „Dr. Theiss Alergol“. Du musst ein klein wenig von der
fetthaltigen Emulsion aus der Tube in beide Nasenlöcher einbringen und
sanft verteilen. Die „Einbalsamierung“ bewirkt, dass die Blütenpollen,
die Du durch die Nase einatmest, an der Nasenwand haften bleiben und nicht
in die Lunge geraten. Eine Pollenallergie bzw. Heuschnupfen kann auch
bewirken, dass Deine Nase verstopft ist, was die Luftregulierung beim
Blasen und Ziehen ernstlich behindert. Hier kannst Du es zuerst auf die
sanfte Tour versuchen mit einem Nasenspray aus isotonischem Meerwasser,
z.B. „Rhinomer“. Wenn Du etwas Stärkeres brauchst, dann greife zu „Xylo-Mepha
0,1%“. So versehen, mit den kleinen Tablettchen, der Nasensalbe und dem
Spray, kann Dir der Heuschnupfen den Buckel runter rutschen. Und wenn Du
schon in der Apotheke bist, dann besorge Dir doch auch gleich ein kleines
Fläschchen von dem „medizinischen Parafin-Öl“, von welchem es die
etwas dickflüssigere und etwas dünnflüssigere Variante gibt. Dieses
Parafin-Öl (übrigens auch empfohlen von Franz Chmel) brauchst Du nach
der Reinigung des Schieberpaketes und des Mundstücks der chromatischen
Harmonika zur sparsamen Salbung bzw. Abdichtung. Eine genaue
Gebrauchsanweisung zur Reinigung und Pflege des Schieberpaketes zeigt Dir
die Website http://www.chmel.at/werkstatt/w08chrom_ger.html Eine andere äusserst unliebsame Blessur, die uns Harmonikaspieler heimsuchen kann, ist das Fieberbläschen. Ein solches Herpes-Geschwür an den Lippen ist eine wahre Katastrophe. Stell Dir vor, Du hättest samt Fieberbläschen morgen zusammen mit Deinen Kollegen einen Auftritt im Musikantenstadl oder, noch prominenter, in der Carnegie Hall in N.Y. wie etwa der Mr. Buddy Greene. (Siehe und höre sein Video unter http://de.youtube.com/watch?v=rfLhnkme2mE) In einem solchen Fall musst Du ohne wenn und aber auftreten. Und ein Fieberblöterli darf kein Grund sein, das Konzert abzusagen. Wenn Du die Veranlagung hast, Fieberbläschen zu bekommen, dann solltest Du beim allerersten Kribbeln an den Lippen die Salbe „Fenivir“ auftragen. Dieses Sälbeli ist eine fetthaltige, antivirale Pomade, welche die kleine Wunde feucht und geschmeidig hält und sie nicht austrocknet. Vorsicht: Es gibt auch andere Salben, die zinkhaltig sind, bzw. die Zinksulfat / Zinkoxid enthalten. Diese Salben trocknen die Wunde sofort aus, sodass sich eine Kruste, eine „Rüfe“ bildet. Aber eine „Rüfe“ können wir als Harmonikaspieler nicht gebrauchen. Sie kann wieder aufreissen und dann fliesst Dein Blut – oder gar Dein Herzblut fürs Harmonikaspielen – in den Kanzellenkörper und verklebt nicht nur die Stimmzungen, sondern auch die Ventile. Also unbedingt das hier empfohlene Sälbeli „Fenivir“ verwenden, welches im Anfangsstadium eines Fieberbläschens alle 2 Stunden aufgetragen werden sollte. Was aber tun, wenn es schon passiert ist? Wenn sich schon ein Krüsteli, eine „Rüfe“, gebildet hat, die schon mehrmals wieder aufgerissen ist und blutet und schmerzt? Nur keine Panik! In diesem Fall verlange man vom Apotheker die Salbe „Xylocain Gel 2%“. Das ist ein Oberflächenanästhetikum zur Anwendung auf der Schleimhaut. Es hält die Wunde ebenfalls geschmeidig und tötet für gute 1 ½ - 2 Stunden den Schmerz ab. Du kannst unter dieser „Lokalnarkose“ unbehelligt Deine gewohnte, tägliche, 2stündige Harmonika-Übung absolvieren, oder auch aktiv am Mundharmonika-Höck im Rest. Löwen in Sissach oder am Stammtisch Ostschweiz im Rest. Steinhof in St. Margrethen teilnehmen. Herpesviren – aber auch andere Ursachen – können dazu führen, dass Fieberbläschen, sogenannte Aphten, auch im Innern des Mundes auftreten. Aphten sind kleine, weisse, eng umgrenzte Flecken in der Mundhöhle. Eine Aphte auf der Zunge ist beim abgedeckten Einzeltonspiel, beim Oktavenspiel und auch bei Terzen und Quinten der blanke Horror. Aber auch hier gibt es ein Gegenmittel. Dieses Gel heisst „Mundisal“ und wird, ebenfalls als Lokal-Anästhetikum, direkt auf die Aphte aufgetragen. Einfach mit dem Finger ca. 1 cm des Gels auf die betroffene Stelle salben und leicht einmassieren. Die Aphte verschwindet dann zwar nicht gleich, das wäre zuviel verlangt, aber sie ist für 1 ½ bis 2 Std. schmerzunempfindlich. Aphten sind recht hartnäckig. Während ein Fieberbläschen innert ca. einer Woche abheilt, braucht eine Aphte 2 – 3 Wochen bis sie verheilt ist. Und so lange will ja kein echter Harmonika-Freek aufs Üben verzichten. Fazit: Von Kinkerlitzchen wie Heuschnupfen, Fieberbläschen oder gar Aphten lassen wir uns das Spielen nicht verdriessen. In diesem Sinne: Viel Vergnügen beim Weiterüben, auf geht’s! Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Der Autor dieses Artikels übernimmt keine Gewähr für die hier gemachten Empfehlungen. Du musst in jedem Fall die Packungsbeilagen lesen, um zu schauen, ob die Präparate für Dich geeignet sind oder ob Du Anwendungseinschränkungen zu beachten hast, wie z.B. Unverträglichkeit mit anderen Medikamenten, die Du einnimmst. Frage zudem Deinen Arzt oder Apotheker oder lese auch die Patienteninformationen auf der Website http://www.kompendium.ch/Search.aspx?lang=de. Die pharmazeutischwissenschaftliche Beratung für diesen Beitrag stammt von Claude Küng, Inhaber der Bäumlihof-Apotheke, Basel, und von Dr. med. dent. Werner Vollmer, Mundharmonikaspieler bei den Veteranos.
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