Jetzt in Basel zu bestaunen: Die Sheng
Von Urs Buser, Basel

Das erste Durchschlagszungen-Instument, die Sheng, ist rund 3000 Jahre alt und stammt aus China. Bei dieser Mundorgel, einem Vorläufer unserer Harmonka – fer­ner auch des Harmoniums, der Handhar­monika, des Bandoneons und vom Schwii­zerörgeli – handelt es sich um einen Schnabel fürs Luftreinblasen in einen Zylinder, um welchen, je nach Modell, 17 bis 37 Pfeifen aus Bambus oder Metall angebracht sind. Jede Pfeife verfügt über Grifflöcher mit Stimmzungen. Gespielt wird die Sheng ähnlich wie eine Blockflöte, durch Abdecken oder Öffnen der Grifflö­cher. Nur, dass die Sheng – dank der durchschlagenden Stimmzungen – sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen gespielt werden kann, was bei der Blockflöte nicht zutrifft, bei unseren Harmonikas jedoch sehr wohl. 

Im Rahmen der Ausstellung “!Che Bando­neon!“ im Musikmuseum, Basel, im Lohn­hof 5, bzw. im Lohnhof-Gebäude, ist so eine Sheng zur Zeit und noch bis 13. Juli in einer Glasvitrine zu bestaunen. Das Musikmuseum ist eine Abteilung des Histo­rischen Museums, Basel, und ist geöffnet Mi – Sa 14-18 Uhr und So 11-17 Uhr. Falls Du Lust hast, die Sheng und auch die anderen sehenswerten Exponate anzu­schauen. 

Du kannst Dir auch die rhetorische Frage stellen, was wohl zuerst da war. Das Huhn oder das Ei? Man denke: Vor rund 3'000 Jahren erfinden die Asiaten die Durchschlagszunge und bauen die ersten Mundharmonikas, eben die Sheng's. Ende des 18 Jahrhunderts werden in Europa erste Experimente mit durchschla­gender Zuge gemacht, es werden diverse Musikinstrumente entwickelt, und z.B. für unsere zeitgenössischen Mundharmonikas auch zahlreiche Patente angemel­det. Und dann kommen die Asiaten wieder im 20 Jahrhundert und kupfern unsere, inzwischen doch recht weit entwickelten Harmonikas einfach ab, und bauen kostengünstiger praktisch gleich Gute wie die Europäer oder die Südamerikaner. Womit sich der Kreis wieder geschlossen hätte. Zuerst war weder das Huhn noch das Ei, sondern der Güggel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Sheng-Spieler als Strassenmusiker. Wie mag es wohl tönen?

 

  Kontrast – 3000 Jahre Später

 

 

 

 

 

Die Renaissance von Seydel