„Made In Switzerland“, Olten lässt grüssen.
Von Urs Buser, Basel

Am frühsommerlichen Samstag, 31. Mai, am gleichen Tag wie die GV, fand im Konzertsaal des Oltner Stadt-Theaters das grosse Gala-Jahreskonzert von „Mundharmonika Schweiz“ statt. Ein Grossaufmarsch von rund 300 Personen drängte sich an der Abendkasse vorbei, erhielt statt ein Papier-Billett einen sig­nalhaften „Butch“, ein MS-Abzeichen zum Anstecken, und nahm gespannt Einsitz im stimmungsvoll dekorierten Konzertsaal. Was einen auf der akustischen Spei­sekarte erwartete, wusste man schon zum Voraus anhand des blauen Flyers. Vorab konnte man sich nun aus Küche und Keller des gepflegten Restaurants etwas Gutes für den Gaumen auftischen lassen. Als es 20:00 Uhr schlug, gingen die Bühnenscheinwerfer an und beleuchteten die Flaggen der Aargauer Kanto­nalbank, welche den Anlass in verdankenswerter Weise gesponsert hatte. Nachdem Werni Speiser mit hochgekrempelten Ärmeln am Mischpult Platz genommen hatte - es wartete ein stressiger Job auf ihn - eröffnete Conférencier Willi Siegenthaler den Konzertabend mit der Begrüssung der zahlreich erschienenen Ehrengäste, der Mundharmonika-Prominenz, der Pressevertreter von der Neuen Oltner Zeitung und vom Oltner Tagblatt. Und, als besonderes Highlight, den Oltner Stadtpräsidenten Ernst Zingg.

Eine Mundharmonika hatte er zwar nicht dabei, der Stadtpräsi Ernst Zingg, aber ein Mikrofon zur Hand. Er gratulierte dem Verband „Mundharmonika Schweiz“ zur Durchführung dieses Gala-Konzerts und gab seiner Freude Ausdruck über „Melodien mit Instrumenten, die einem nie aus dem Sinn gehen“. Schöner - gäll! - kann man unsere Mundharmonika-Musik gar nicht beschreiben. Olten begegnen, sagte er weiter, habe zwei Bedeutungen. Man kann Olten begegnen, 80 % der Schweizer können in nur einer Stunde in Olten eintreffen. Und man kann sich in Olten begegnen, wie all die Mundharmonika-Freundinnen und Freunde, die aus allen Himmelsrichtungen zu diesem Konzert gekommen waren.

Jetzt aber genug geredet und dafür nun zugehört: Als Erstes spielten die Muulörgeler vom Aaretal auf mit ein paar mitreissenden Nummern. Die heutige Formation besteht aus Claude Heidrich und Paul Schwerzmann, 1. und 2. Stimme, Kurt Schaffner, Chord, und Hans Siegenthaler am Bass. Die vier munteren Muulörgeler spielen, was ihnen und den Zuhörern Freude macht und haben bereits zwei CD’s veröffentlicht. Ein besonderes Erlebnis war für sie ein Konzertauftritt in etwas dünnerer Luft, auf dem Stockhorn, 2'190 m.ü.M. (oberhalb von Thun bzw. Erlenbach). Sie ernteten hier in Olten viel Applaus und verabschiedeten sich mit einer Zugabe, die vorher beim Essen zum Nachwürzen gefehlt hatte, mit „Salz und Pfeffer“.

 
Als zweite Formation kündigte Willi Siegenthaler, wie immer auf charmante Art, die Seedammhöckler vo Altendorf an. Willi erzählt immer etwas Kurzes und Wissenswertes über die Bands, z.B. dass die Höckler gerne höcklen und es miteinander lustig haben, und manchmal „überhöcklen“, man kann sich’s ja vorstellen. Hier spielen der Werni Gmür und der Franz Krauer die 1. und 2. Stimme, der Kari Betschart den Chord und der Hans Haltinger den Bass. Die Höckler sind auch schon im Fernsehen aufgetreten, in der Sendung „Risiko“, und sie sind auch schon in Brasilien auf Tournee gewesen. (Ob sie wohl im Brasilianischen Blumenau auch die Mundhar-
monikafabrik HERING besucht haben?) Auch dieser Gruppe wurde heftig applaudiert. Ihre Zugabe hatte den vielsagenden Titel
„S Hundegebäll vom Wälchli sim Hund“.

Nach diesen zwei sympathischen Mundharmonika-Quartetten folgten nun nach Programm die Darbietungen von drei Trios. Und man durfte gespannt sein, was man nun zu hören bekommen würde.

Als erstes dieser Trios kündigte Willi die
Dianas Harmonicas aus Pfaffnau an, während der Tonmeister Werni die Anlage gemäss den nachmittäglichen Sound-Check-Parametern neu einjustierte. Bei den Dianas spielen Karl Zürcher die Melodie, Toni Furrer den Chord und Erwin Freiburghaus den Bass. Die Dianas spielten einige wirklich virtuose Nummern, u.a. den Musette-Walzer „Janine“ oder den „Kanarienvogel“. Ihre Spielfreude kitzelte nicht nur akustisch, sie war ihnen auch anzusehen. Und sie liessen sich hinreissen zu einem Kompliment ans heftig applaudierende Publikum. Und an die Organisatoren dieses brillanten Anlasses, die es möglich gemacht haben, in einem so schönen Saal aufspielen zu können. (Also, das müend Ihr jetzt yneschlägge, gäll, Dir Prima-Organisatore!)

Jetzt war Zeit für eine Pause. Man musste die Ohren wieder leeren und die Gläser füllen. Die eine oder andere Melodie, etwa Kanarienvogel, zwitscherte immer noch im Hinterkopf herum. Den Pieps musste man herunterspülen, ertränken, damit man für den zweiten Konzert-Teil wieder parat war, reinen Geistes, aufnahmefähig, saugfähig wie ein Schwamm für die kommenden Darbietungen. Stühle rücken, Füsse vertreten, andere Bekannte und Freunde aus der Szene begrüssen, zurück zum Platz, wieder Stühle rücken, Gläser klingen lassen, noch ein Prost mit den Tischnachbarn, Scheinwerfer an, Stille, jetzt geht’s weiter.

Angesagt waren die „Drei Veteranos“ aus Basel bzw. Känerkinden, ein virtuoses Trio, welches das Harmonica-Spiel formvollendet mit einer unterhaltsamen Comedy-Bühnenshow verbindet. Hier spielt Georg Bechtel bekannt von den Barano-vas, die Stimme, Hans Willin den Chord und Werner Vollmer den Bass. Bei den Veteranos spielen eigentlich alle alles. Kreuz und quer, zum Bei­spiel der Werner Vollmer im Älpler-Kostüm mit 12 verschiedenen diatonischen Harmonicas. Beim Cielito Lindo ging den Zuhörern der Hut hoch und dem Georg wurde er heruntergezogen. Die Veteranos spielten weitere bekannte Nummern wie „Uf Dr Fähri“, komponiert vom früheren Mitspieler Max Diggelmann, oder den „Harmonika-Schottisch“. Nach Kostümwechsel, nun im seriösen weissen Smoking-Sakko und dem Markenzeichen „Rote Fliege“, spielten sie nach stürmischem Applaus noch eine oder zwei Zugaben. War es „Petite Fleur“? Auch ihr Auftritt wird Vielen noch lange in Erinnerung bleiben.

Mittlerweilen war es 23.00 Uhr geworden, es wurde langsam Zeit für das Dessert. Und zum Finale dieses grossartigen Konzert-Abends, und zum Dessert, hatte Conférencier Willi das Vergnügen, das legendäre Swiss Tramps Trio anzusagen.

 

 

 

 

 

 

Legendär deshalb, weil dieses Trio seit 1971, seit 37 Jahren, zusammen musiziert. Für dieses Konzert hatten die Tramps ein spezielles Programm, teilweise mit neuen Titeln, einstudiert. Es spielen der Ruedy Frey die Stimme, der Ernst Dürler (der auch eine sehr musikalische Tochter hat) am Chord und der Heinz Stampfli am Bass. Ihr mitreissendes Motto war „Musik ist Trumpf“, und sie gaben ihr Bestes: Die Tramps trumpften auf! Nummern wie „Cheek To Cheek“ oder „Love Me Tonight“ rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Und unvergesslich auch, wie die Tramps mit ihrem Amerikanischen Marsch-Medley im Amerikanischen Gänselimarsch - spielend - von der Bühne herunter marschierten zum Publikum, um mit den Zuhörerinnen und Zuhörern in noch nähere Tuchfühlung zu kommen. Bravo!

Es heisst, sie möchten gelegentlich kürzer treten und aufhören, die Tramps. Sie geben im November ein Abschiedskonzert. Wir wollen es nicht glauben. Vielleicht überlegen sie sich’s noch mal. Ihr letzter Satz an diesem Abend war, und mit dem beschliessen wir auch diese Reportage: „Wir lieben alle Muha-Freundinnen und -Freunde“.

Besten Dank an alle Mitwirkenden, die geholfen haben dieses grossartige Konzert zu gestalten!!!