Von «Schnurregige» eine Ahnung
von ALESSANDRA PAONE

Seit ihrer Kindheit spielen die Mitglieder des Trios Harmonetta Mundharmonika

Das «Trio Harmonetta» hat sich einen Traum erfüllt und ihre erste CD aufge­nommen. Am 24. Januar 2009 fand im Hotel Engel in Liestal die Taufe statt.

Georges Isenegger hat so viele «Schnurregige» zu Hause, dass er ein Museum eröffnen könnte. Es seien so an die 100 Mundharmo­nikas, sagt der ehemalige Stadtpolizist von Liestal. Ich kaufe alle zwei bis drei Mo­nate eine neue. Der 67-jährige spielt schon seit gut 60 Jahren Mundharmonika, und seine Begeisterung für das Instrument hat nach all den Jahren nicht abgenommen - im Gegenteil.

„Zum Schnurregige-Spielen muss man geboren sein, das lernt man nicht in einem Jahr“, erklärt Isenegger. Auch brauche es viel Übung bis man auf einer Bühne stehen könne. Seine Trio-Kollegen Hugo Fehr und Emil Schumacher sind ganz seiner Meinung. Auch sie sind seit ihrer Kindheit der Mundharmonika verfallen. Allerdings hat Schumacher eine zwanzigjährige Pause eingelegt. Der Grund: Seine älteren Brüder, mit denen er zu spielen pflegte, haben plötzlich aufgehört. Erst durch ein Inserat hat der 62-jährige Arisdörfer wieder zur Mundharmonika gefunden. Er ist froh darüber, denn «Schnurregige» sei ein Ausgleich zum Alltag und zum Berufsleben.

Vor fünf Jahren haben sich die drei Hobby-Musiker zum Trio Harmonetta zusammengeschlossen. Und praktisch zeitgleich mit ihrem Jubiläum erfüllen sie sich am Samstag einen Traum: die Taufe ihrer ersten CD. „Diese CD ist das Produkt einer langjährigen und guten Zusammenarbeit“, betont Isenegger. Sie seien sehr stolz darauf.

Das Trio Harmonetta verfügt über ein Repertoire von rund 30 Stücken. Davon hat es für die Aufnahme der CD mit dem Titel «Schaurig schöön» 16 ausgewählt. Einen externen Produzenten hatten die drei nicht. Sie haben alles selber gemacht. Hugo Fehr war als Arrangeur dabei federführend. „Die Stücke mussten einwandfrei sitzen, vorher hat er nicht locker gelassen“, berichtet Isenegger lachend. Dies sei aber auch richtig so, fügt er sogleich an. Auch die Kosten für die CD tragen Isenegger, Schumacher und Fehr selber.

Jazz, Blues und Swing
Der Stil der ausgewählten Stücke geht in Richtung Jazz, Blues und Swing. „Wir lehnen uns weniger an die Volksmusik an“, sagt Fehr. Der gebürtige Zürcher war vor der Zeit im Trio Harmonetta bereits ein aktiver Musiker. In verschiedenen Bands hat der 62-jährige zum Takt von Tanz- und Unterhaltungsmusik Akkordeon und Bass gespielt. Für Georges Isenegger ist das Musizieren vor Publikum auch nichts Neues. Er war vor dem Trio während 17 Jahren Mitglied eines Mundharmonika-Quartetts.

Das Ziel der drei Schnurregige-Freunde ist, ihre Musik unter die Leute zu bringen und diesen Freude zu bereiten. Über mangelnde Auftritte kann sich das Trio, das nicht nur im Baselbiet ein Begriff ist, nicht beklagen. Im vergangenen Jahr hat es rund 20 Mal an Apéros, Geburtstagen oder anderen Anlässen gespielt - auch im Ausland. „Ich wünsche mir, dass wir noch viele Jahre zusammen erfolgreich sind“, sagt Isenegger.

Spielen für älteres Publikum
Dass sie mit ihrer Musik auch jüngere Leute begeistern können, glaubt das Trio aber kaum. Sie sprächen eher ein älteres Publikum an, so Schumacher. Fehr: „Die Jugendlichen interessieren sich vor allem für Keyboard, Schlagzeug und Gesang*. «Schnurregige» stelle zu wenig dar. Im Gegensatz zu ihren Eltern konnten weder Hugo Fehr noch Georges Isenegger ihren Kindern die Liebe zur Mundharmonika weitergeben. „Wir haben ein Nachwuchsproblem“, bringt es Fehr auf den Punkt. Doch diese Tatsache hält die drei Freunde nicht davon ab, sich weiterhin an den Klängen der «Schnurregige» zu erfreuen.

Mitwirkende: Trio Harmonetta, Trio Old Fellows Harmonics, Trio Piranhas und Erwin Schumacher.