Der virtuelle Patient

 

Liebe Leserinnen und Leser


Eine neue Krankheit ist ausgebrochen: der SMS-Daumen, eine Entzündung der Sehnen durch ständige SMS-Tipperei. So war es vor kurzem zu lesen. Es ist zu befürchten, dass diese Krankheit bald epidemische Ausmasse annimmt. Viele wei­tere Krankheiten werden folgen - als Tribut an den technischen Fortschritt. Man denke etwa an den Netsurfer-Buckel oder an das irreparable Armzu­cken durch wochenlanges Fuchteln vor der Sen­sor-Spielkonsole. Eine weitere Geissel des mo­dernen Menschen wird das finale Mobil-Syndrom sein, welches sich durch jahrzehntelangen Handy-Missbrauch schleichend entwi­ckelt. In 50 Jahren werden die Seniorinnen und Senioren in den Alterszentren die Pillenschachtel ans Ohr halten und seltsame Laute von sich geben.

Ungeachtet dieser modernen Zivilisationskrankheiten werden es unsere Nachfah­ren einfacher haben, den Arzt über ihr wahres Leiden aufzuklären. Das Internet macht’s heute schon möglich. Der Kranke tippt irgendein Symptom in die Such­maschine ein, und schon nach wenigen Mausklicks landet er bei einer schweren Krankheit seiner Wahl. Auf so was wäre ja sein Hausarzt nie gekommen, im Gegenteil: mit unqualifizierten Bemerkungen wie:“ Ihr schwarzer Zehennagel ist kein Krebs, nur waschen, und schon sind Sie wieder gesund“, macht er sich noch lustig über uns. Seit es das Internet gibt, haben die schulmedizinischen Scharla­tane nur noch bei Vorkriegspatienten eine Chance. Herzchirurg? Gynäkologe? Dass ich nicht lache! Was die wissen, weiss der virtuelle Patient schon lange. Deshalb ist es wichtig, sich vor der letzten Ölung zu vergewissern, dass zuvor ausgiebig und tiefschürfend „gegoogelt“ wurde. Ein studierter Arzt kostet ja nur Zeit und Geld. Dieses können wir uns sparen, denn wir finden im Netz auch gleich die passenden Therapien.

Ich persönlich halte mich lieber an den Rat des Arztes, Kabarettisten und Humor­trainers Eckhart von Hirschhausen. In seinem neuen Buch „Glück kommt selten allein“ bekräftigt er inständig die wundersam heilende Wirkung durch aktives Musizieren. Da sind wir ja auf dem richtigen Weg, liebe Freunde! Ich wünsche Euch weiterhin viel Freude mit der Mundharmonika, sowie einen wonnigen und sonnigen Frühling. Und noch etwas: Herzlich willkommen am 8. Mai beim Jahres­konzert von „Mundharmonika Schweiz“ in Chur. Informationen findet Ihr in diesem Heft.

Willi Siegenthaler